Inspiration für Mütter: Allein unterwegs in Dänemark

07. – 13.09.2025

AUTO:

Ich war mit unserem eigenen Wohnmobil unterwegs.

Spritkosten: ca. 240,00 €

CAMPINGPLÄTZE:

Siehe Campingplätze Dänemark.

GESAMTKOSTEN:

Wenn man alleine reist, ist es ja generell günstiger. Aber Dänemark an sich ist schon recht teuer und eine Runde shoppen war ich auch, so dass ich für die Woche bei rund 700 € gelandet bin.

STORY:

Das Gefühl, zu Hause zwei Jahre lang so vieles verpasst zu haben, beschäftigte mich schon seit einer ganzen Weile. Genau genommen seit ungefähr eineinhalb Jahren. Und plötzlich stand ich im April 2025 vor einer ungeplanten Auszeit – Ich war arbeitslos geworden. Mit der neuen Situation kam auch die Frage auf, was als nächstes kommen soll: Der nächste Job? Das nächste Projekt? Eine Fortbildung, Schulung…? Und was davon als erstes? Die Antwort lautete:

Nichts davon.

Nach einigen Bewerbungen und Vorstellungsgesprächen, bei denen immer irgendetwas nicht passte, war ich wütend und nahm mir davon eine kurze Pause. Natürlich wusste ich beruflich ganz genau was ich wollte. Aber, was ich nicht mehr ganz genau wusste: Wer ich eigentlich geworden war…

Es ist nicht so, als hätte ich im Auszeit nehmen keine Übung. Immerhin hatte ich schon mehrere Krisen erfolgreich durchlebt. Und wenn ich konnte, hatte ich die Chance für ein Alleinreiseabenteuer zum Surfen oder einfach zum Abschalten am Meer genutzt. Aber bei keinem davon war ich Mutter. Und das ist die Anwort auf die Frage, wer ich geworden war: Mutter, nämlich vor zweieinhalb Jahren. Jedoch nicht mehr, und nicht weniger. Alles, was ich zuvor drum herum aufgebaut hatte – mein „altes Leben“ – hatte ich einfach so weiter gelebt. Nun kam die Gelegenheit, dieses alte „drum herum“ erstmals neu zu gestalten. Es anzupassen an die neuen Gegebenheiten mit meiner neuen Rolle als Mutter.

Einige mögen beim Lesen vielleicht denken: „Über zwei Jahre hat sie gebraucht um zu merken, dass es nicht passt?“ Oder so ähnlich. Die Antwort lautet: Nein und Ja. Einerseits habe ich lange mental festgehalten, von dem ich dachte, es würde mich erfüllen (mein Job). Gleichzeitig habe ich jedoch früh gemerkt, dass mich das Mutter sein unheimlich erfüllt und Platz im Herzen braucht. Ich kannte nur keine Lösung für die optimale „Herzaufteilung“. Ende 2023 hatte ich über mehrere Monate aber auch keine Gelegenheit dazu, eine ernstgemeinte Veränderung anzugehen. Wir waren aus privaten Gründen auf meinen Job und das Einkommen angewiesen. Wäre dies nicht gewesen, hätte ich möglicherweise schon ein Jahr vorher etwas ändern können.

Im Frühsommer packte ich also alles an, was liegen geblieben war: Meine innere Überzeugung zu vielen Themen, alte Wunden und Erwartungshaltungen sowie liegen gebliebene Projekte am unfertigen Holzhaus. Ja, es gab genug zu tun. Und als all das erledigt und ein Job in Aussicht war, kam endlich die Zeit für mich allein.

Meine Zeit um bereit zu werden, für alles Neues, was bald kommt.

So packte ich mein Wohnmobil. Aber mit gemischten Gefühlen. „Konnte ich die Männer einfach alleine lassen? Aber umgekehrt ermöglichte es Steffen ja auch immer wieder… Jedoch fahre ich das erste Mal alleine weg, mein kleiner D-Boy und ich werden uns bestimmt vermissen…“

„Schaffe ich so eine weite Fahrt bis nach Dänemark ganz alleine? Kann ich mich alleine im Wohnmobil sicher fühlen?“

Fragen über Fragen… abgesehen davon hatte ich übrigens keinen Cent für eine derartige Reise übrig.

Aber die Zeit kommt nicht zurück. Also lieh ich mir Geld und fuhr nach Ribe – die älteste Stadt Dänemarks. Meinem Abenteuer konnte ich etwas Aufregung nehmen, weil ich die Stadt und den Campingplatz von einer früheren Reise bereits kannte.

Die Hinfahrt war jedoch eine echte Prüfung. Die A7 war voll gesperrt. Ich musste eine recht lange Umleitung über die Landstraße fahren. Das hatte ich bei meiner Routenplanung irgendwie nicht berücksichtigt. Nach dieser Umleitung und fünf Stunden Fahrt war ich das erste Mal fix und fertig. Den nächsten Rasthof fuhr ich umgehend an und merkte, dass diese Idee offensichtlich noch viele andere hatten. Aber es gab Kaffee und Snacks – das war meine Rettung. Die letzten 90 Minuten meiner Anreise quälte ich mich förmlich bis nach Ribe. Ich hatte bereits reserviert und bezahlt und wollte diese Nacht nicht verfallen lassen. Sonst hätte ich auch einfach bei Flensburg schon anhalten und schlafen können. In Ribe angekommen war ich jedoch heilfroh. Ich aß eine warme Kleinigkeit und schlief danach sofort ein.

Ribe selbst erkundigte ich mit dem Rad und zu Fuß. Der Campingplatz liegt recht zentrumsnah und die Innenstadt läd zum Bummeln und Verweilen ein. Der Wind blas mir kräftig um die Ohren und an einem ruhigen Uferplatz schloss ich die Augen.

Ich atmete tief ein und genoss es zum ersten Mal so richtig: Mein erstes Alleinreiseabenteuer als Mutter.

An der Rezeption erzählte mir eine Mitarbeiterin von der „schwarzen Sonne“, die es nur noch wenige Tage zu sehen gäbe. Ich wusste sofort, dass ich das unbedingt sehen wollte. So fuhr ich abends noch mit dem Rad Richtung Nordsee und bog drei Mal falsch ab. Zuerst ärgerte ich mich, denn es wurde hier im Herbst schnell dunkel und ich hatte keine Beleuchtung am Fahrrad. Doch nur wenige Minuten später war ich super glücklich! Direkt vor mir zwitscherte es lauthals, während sich tausende Stare auf dem Feld versammelten. Ich stieg ab und wartete einen Moment. Es dauerte gefühlt eine halbe Stunde, bis sich etwas bewegte. Und mit einem Schlag und lautem Getose erhob sich die riesige Formation aus Staren und flog elegant durch die Abenddämmerung. Wie toll, dass ich das erleben durfte.
Auf der anderen Seite des Bewässerungskanals traf ich kurz danach ca. 50 Vogelbeobachter, die alle auf das gleiche Spektakel hofften. Aufgrund der Dunkelheit musste ich jedoch weiterfahren und fiel abends rundum erfüllt in mein Wohnmobilbett.

Die Reise führte mich am nächsten Tag weiter auf die Nordseeinsel Rømø. Meine Eltern erzählten mir kurz zuvor von einem Stellplatz namens „Oasen“, den sie vor zwei Jahren ausprobiert und für gut befunden hatten. Der Platz war sehr sauber und modern. Es hatten bestimmt über 150 Camper platz, so groß war die Anlage. Und das Schönste war: Das Meer war gleich um die Ecke. Mit Sandstrand, aber auch mit Autostrand. In 2019 sind wir bei Löcken im Autostrand stecken geblieben. Seitdem bevorzuge ich Strandbesuche zu Fuß oder per Rad. Aber das Meer war gar nicht da – es herrschte Ebbe.

Die Aussicht, den Wind und den Duft der salzigen Luft genoss ich trotzdem eine ganze Weile. Es war auch unterhaltsam, das Treiben der anderen Besucher am Strand zu beobachten.

Eine Frau versuchte auf dem Rückweg aus dem Watt ihren Hund davon zu überzeugen, nicht weiter in die Pfützen zu springen. Vor den Dünen standen einige Camper mit Markise und Stühlen vor der Tür. Sie tranken Kaffee und genossen die Zeit am Strand.

Ich roch das Gefühl der Freiheit und atmete es ganz tief ein.

Danach ging es für mich noch zum Anleger der Sylt-Fähre. Aber eine Überfahrt hätte mich rund 100 € gekostet und das hatte ich nicht übrig. Die Wettervorhersage war sowieso eher regnerisch als sonnig, sodass ich mich noch auf ein neues Ziel festlegen müsste. Doch erst einmal fuhr ich zu der berühmten Bäckerei um die Ecke. Dort fand ich leckeres Gebäck für mich und auch leckere Mitbringsel für meine Männer – die ich so langsam übrigens schon sehr vermisste. Gleichzeitig stellte sich aber auch ein Gefühl von Entspannung und Zeitlosigkeit ein. Ich merkte, dass ich aktuell einfach gar keine organisatorischen und zeitlichen Verpflichtungen hatte. Ausschlafen so lange ich wollte, essen wann es mir passte und mal keinen Spielplatz zu besuchen war genau das richtige für meine Reise.

Ich konnte wieder meinen eigenen Rhythmus spüren.

Wieder an meinem Wohnmobil angekommen, setzte auch ich mich in meinen Liegestuhl davor. Zu einem kühlen Latte Macchiato aus Pulverzubereitung, aber mit Eiswürfeln, genoss ich das dänische Gebäck mit Marmeladenfüllung und Schokoladenrand. Am nächsten Tag würde der Herbst einziehen und ich mit meinem Wohnmobil die Nordsee wieder verlassen.

Die Sonne schien in Sonderburg, ein schönes Städtchen an der dänischen Ostsee nahe der deutschen Grenze. Hier hatte ich einen Stellplatz an der Marina „Lystbådehavn“ gefunden. Es war nur ein einfacher Schotterplatz mit Strom. Die Benutzung der sanitären Anlagen war jedoch im Preis enthalten. Somit war die Ausstattung genauso wie auf einem Campingplatz. Und der Name, auf deutsch „Vergnügungsboothafen“, ließ mich schmunzeln. Ich schlenderte am Hafen entlang zum Café in der Bibliothek. Und just in dem Moment, indem ich meinen Cappuccino mit Apfelkuchen in Empfang nahm, fing es draußen an zu regnen. Wie ärgerlich, dachte ich. Aber die Atmosphäre war so schön.
Am Tisch neben mir trafen sich vier Seniorinnen zu Kaffee und Kuchen. Sie amüsierten sich unübersehbar und wirkten so lebensfroh und leicht, dass es ansteckend wirkte. So beschloss ich, mit Kapuze gewappnet aufzubrechen und die Innenstadt zu erkunden. Sie hatte mehr zu bieten als ich dachte. Abends stiefelte ich breit grinsend mit vollen Taschen und einer Platte frischem Sushi wieder zum Stellplatz. Und der war voll geworden. 16 Wohnmobile hatten sich inzwischen dazu gestellt. Wie schön es war zu wissen, dass ich nicht alleine schlafen musste.

Weil es am nächsten Tag so klar und frisch war, blieb ich länger als geplant. Große Segelboote mit zwei oder drei Masten fuhren ein und aus. Windsurfer versuchten in der Sonderburg Bucht dem starken Wind zu trotzen, fielen aber bei jedem neuen Versuch gleich wieder um. Parallel fand ein Oldtimertreffen im Hafen statt und ich gönnte mir ein typisch dänisches Hotdog am Wasser. Der Tag verstrich und ich lebte einfach nach Gefühl. Das tat so gut. Doch woher sollte ich wissen, wann es Zeit wäre, zurück zu fahren? Die Entscheidung fiel mir gar nicht leicht. Es war jedoch schon fast eine Woche vergangen, dass ich mein Wohnmobil gepackt und alleine losgefahren war. Und abends überlegte ich, wohin ich fahren wollte.

Und dann plötzlich kam es: Das Gefühl, dass ich bereit war, wieder nach Hause zu fahren.

Doch die Rückfahrt wollte ich besser planen und die lange Strecke aufteilen. So kam es zu einem kurzen Zwischenstopp in Scharbeutz. Nur eine Nacht wollte ich bleiben – doch es gab nirgends einen freien Platz. Alles war ausgebucht und zugeparkt. Damit hatte ich nicht gerechnet… Ich fühlte mich zudem etwas unwohl – die Straßen waren sehr eng, ich konnte fast nirgendwo stehen oder wenden um mich kurz online zu informieren. Ja der Betreiber der Jugendherberge wollte mich sogar schon abschleppen lassen. Wie unsympathisch, fand ich. Ich stand ja nicht im Halteverbot oder ähnliches, das habe ich nach dem Gespräch extra noch einmal überprüft. Seine Reaktion war wohl eher Trotz.

So fuhr ich wieder zurück und wollte einen Platz außerhalb dieses vollen Ortes suchen, als ich plötzlich ein hübsches Seepferdchen entdeckte, sofort bremste und abbog.

„Campingplatz Seepferdchen“ bot mir eine Nacht auf der Zeltwiese an. Diese war zwar ohne Strom, aber das störte mich nicht. Mit pochendem Kopf war ich einfach sehr erleichtert, einen sicheren Schlafplatz gefunden zu haben. Und mit mir nächtigten noch acht weitere Vans und Wohnmobile auf dieser netten Alternative!

Der nächste Morgen startete früh. Da war es wieder, das Gefühl nach Hause zu wollen. Und so fuhr ich Richtung Heimat und frühstückte in Ruhe an der Autobahn. Das Schicksal war an diesem Tag auf meiner Seite. Die Autobahn war leer, es fuhren wenig LKW´s und nach rund drei Stunden konnte ich meine Männer wieder in die Arme schließen. Wir haben uns alle tierisch gefreut.

Und als ich die letzten Zeilen schrieb wurde mir bewusst, welch großes Privileg diese Reise war. Aber eins haben wir vor fast zwei Jahren gelernt: Zeit bekommen wir nicht zurück.

Empfehlungen:

RESTAURANTS

Ribe
Quedensgård Cafe Og Krambod
Overdammen 10 | 6760 Ribe | Dänemark
https://www.quedensgaard.dk/

Restaurant Sælhunden
Skibbroen 13 | 6760 Ribe | Dänemark
http://www.saelhunden.dk/

BARS UND CAFÉS

Sonderburg
Viele verschiedene in der Straße:
Store Rådhusgade 5 | 6400 Sønderborg | Dänemark

Café Fika
Kastanie Allé 2, | 6400 Sønderborg | Dänemark
https://fikasonderborg.dk/

Rømø
Rømø Bageriet
Havnebyvej 214 | 6792 Rømø | Dänemark

HOT SPOTS:

Ribe als älteste Stadt Dänemarks muss man mal besucht haben. Ganz gleich, ob nur zum Schlendern, Natur genießen oder Bummeln und Essen. Vor allem der Dom und das dazugehörige historische Museum sind einen Besuch wert. Aber auch der Deich an der Nordsee, mit der Kammerschleuse (die Brücke dort ist nur mit max. zwei Tonnen befahrbar) und den Schafen darauf ist wunderschön und lässt richtige Urlaubsgefühle aufkommen. In den Feldern davor kann man Anfang September auch die „schwarze Sonne“ beobachten, ein einmaliges Spektakel.

Auf Rømø kann ich den Autostrand „Rømø Sønderstrand“ einfach sehr empfehlen. Hier sollen zu bestimmten Zeiten auch Robbenbabys bei Ebbe weiter draußen, auf den Sandbänken, zu finden sein. Hier kann man auch Kitesurfen, es gibt extra einen markierten Bereich dafür. Aber schon die Fahrt über den Rømø Damm ist ein Erlebnis!

Sonderburg ist kulturell sehr spannend, der Lystbådehavn, wo ich übernachtet habe, ist sehr malerisch. Es gibt viele Wassersportler in der Sonderburg Bucht zu beobachten, egal ob von Land oder bei einer Schiffsfahrt. Aber auch in der Hauptstraße Store Rådhusgade kann man schöne Stunden verbringen. Das Schloss kann besichtigt werden und in der Nähe des Hafens stehen auch die typisch bunten Häuser!

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